Geschichte des Seelandes
Von der Urzeit zur Gegenwart
Kelten und Römer

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ab 500 v. Chr. La Tène Zeit Übersichtsplan

Schriftliche Dokumente waren bis anhin im Seeland unbekannt. Viele Überlieferungen erhalten wir deshalb von den Ertruskern, Griechen und Römern.

Zitate von keltischen Zeitgenossen
Die Autoren:
Zitate:
Die ausgiebigen Handelsbeziehungen mit den Etruskern (Italienern) und den Griechen, bewegen den einen oder anderen "Seeländer" für ein paar Lehrjahre nach Italien auszuwandern. Funde in Italien belegen dies. Durch den engeren Kontakt mit den "Ausländern" lernen einige "Seeländer" die Sprachen Etruskisch und Griechisch.
So erfahren die "Seeländer", dass sie von den Etruskern und den Griechen "Keltoi", "Galatoi" oder "Galli" genannt werden. Oft werden sie auch einfach als Barbaren bezeichnet, da sie offensichtlich nichts von der feinen Lebenskultur der Etrusker und Griechen verstehen. Heute ist die Kulturgemeinschaft der "Keltoi" unter dem Namen Kelten bekannt.

500 bis 200 v. Chr. In dieser Zeitspanne blüht die keltische Kultur im Schweizer Mittelland auf. Nach und nach bilden sich eigenständige kulturelle Eigenschaften heraus. Die Religion findet in der Gemeinschaft eine starke Verwurzelung.

Anhand von typischen Gräberfunden aus dieser Zeitspanne lassen sich keltische Ballungsgebiete in Bern auf der Engehalbinsel und in Zürich ausmachen. Im Mittelland sind viele einzelne Siedlungszentren festzustellen.

Das Mittelland befindet sich an der Schwelle von zwei grossen Einflussgebieten von Keltenstämmen . Im Osten sind dies die Rhein-Donau- und im Westen die burgundisch-lothringischen Gruppen. (roter Faden - Röstigraben)

Kelten werden im vorderen Jahrhundert gerne als Söldner angeheuert, und ihre Schmiede sind bei den Römern und Griechen für ihre ausgezeichneten Schwerter bekannt. Der Römer Plinius d. Ält. schreibt von keltischen Schwertschmieden in Rom, welche auf ihren Schwertern den Namen eingeschlagen und mit Goldblech ausgelegt haben. Das Markenzeichen "Made in Switzerland" wurde geboren!

Der Grieche Poseidonios bezeichnet die Helvetier als goldreiches Volk. Das Gold wurde hauptsächlich im Rhein gefunden. Weitere Exportprodukte der Helvetier sind Harz, Pech, Kienholz, Wachs, Käse, Honig und Lederschuhe.

 
484 v. Chr. Herodot, der Vater der Geschichtsschreibung nennt in seinem Historien Buch II Abs. 33 zum ersten Mal die Kelten beim Namen. Er schreibt im Zusammenhang mit der Beschreibung wo die Donau entspringt
 
ab 400 v. Chr. >

Das Münzwesen wird eingeführt, die Schrift wird benutzt und die Herstellung von buntem Glasschmuck wird bekannt.

Ein Teil der Schweizer Kelten aus dem Mittelland gehen auf Eroberungszüge oder Wandern aus. Funde in Bologna und Felsina lassen sich auf Kelten aus dem Mittelland zurückführen. Diese Funde zeigen auch, dass die Kelten in diesem Gebiet die Etrusker (Römer) dominierten. Ebenso konnten Funde in der Nähe von Prag die Auswanderung von Schweizer Kelten belegen.

 
387 v. Chr.

Die Kelten stossen bis nach Rom vor. Die Kelten drohen Rom zu zerstören, wenn sie sich nicht freikaufen. Der keltische Anführer Brennus legt Gewichte auf eine Waagschale und wirft noch zusätzlich sein Schwert darauf. Sein Ausspruch: "Wehe den Besiegten" (vae victis), bleibt bis heute in Erinnerung.

 
ab 300 v. Chr.

Rom und die Kelten führen unabhängig voneinander das Geld ein. Zunächst werden als Währung Metallbarren oder Ringe verwendet. Beide führen dann nach dem griechischen Vorbild die Münzprägung ein. Ein "Stater", so werden die Münzen bezeichnet, entspricht in etwa dem Gegenwert von vier Schafen. Nach und nach finden noch weitere Münztypen den Weg ins Mittelland. Aus dem südfranzösischen Raum werden Kreuzmünzen eingeführt.

 
 
225 v. Chr.

Die Römer rücken nach Oberitalien vor. Der Römer Polybios berichtet, die Kelten in Oberitalien haben Hilfe von Kelten aus dem Rhonetal erhalten. Die Römer siegen in dieser Schlacht bei Telamon über das Keltenheer.

 
ab 200 v. Chr.

Erstmals werden grössere Stadt-artige Anlagen gebaut. Im Seeland könnte die Anlage auf der Engehalbinsel bei Bern, dem Jensberg, dem Dorf Sermuz VD 3km von Yverdon entfernt oder diejenige auf dem Mont Vully in diesen Zeitraum fallen.
Die Römer nennen diese Stadtanlagen "Oppidum". Cäsar behauptet später, in Helvetien seien 12 grosse Oppida zu finden.

 
200 v. Chr.

Rom erlebt seine Blütezeit und gewinnt an Einfluss. Die römischen Münzen (Denare) werden zur allgemeinen Währung der Helvetier.

 
135 v. Chr.

Poseidonios erwähnt den Keltenstamm der Helvetier im Zusammenhang mit der Keltenwanderung der Kimbern und Toutonen.

 
120 - 116 v. Chr.

Hochwasser reisst die Brücke bei Cornaux NE in die Fluten und fordert viele Tote und Verletzte.

 
111 v. Chr.

Zwei der drei helvetischen Teilstämmen, die Toutonen und Tiguriner, haben sich der Wanderung der Kimbern angeschlossen und dringen in Innergallien ein. Innergallien war in dieser Zeit durch die Römer besetzt. Sie hatten das Gebiet im Jahr 121 v. Chr. annektiert und den keltischen Stamm der Allobroger unterworfen. Die Römer nannten das Gebiet östlich des Genfersees "Provincia Gallia Narbonensis.

 
107 v. Chr.

Die Helvetischen Truppen unter der Führung von Divico stossen mit den römischen Legionen zusammen. Es kommt zur Schlacht bei Agen an der Garonne. Die Helvetier siegen und schicken die Römer unter dem Joch durch. (Sie werden gedemütigt und teilweise versklavt.

 
105 v. Chr.

Die Kimbern, Ambronen und die helvetischen Stämme der Toutonen und Tiguriner schlagen bei Arausio dem heutigen Orange in Frankreich zwei römische Heere. Die Römer werden fast vollständig aufgerieben. Die Kelten durchstreifen anschliessend Teile von Spanien.

 
103 v. Chr.

Die Keltenstämme der Kimbern, Ambronen, Toutonen und Tiguriner sammeln sich und dringen in Oberitalien ein. Dabei wählen die Kimbern und Tiguriner eine Route durch die Alpen, die Ambronen und Toutonen den Weg der Rhone entlang.

 
102 v. Chr.

Der römische Feldherr Gaius Marius empfängt die Ambronen und Toutonen (Gallier). Die keltische Truppe wird bei Aquae Sextiae Aquae Sextiae (Aix-en-Provence) völlig aufgerieben.

 
101 v. Chr.

Gaius Marius wendet sich den Kelten in der Poebene zu. Bei Vercellae (Vecelli bei Novara) kämpfen die Kimbern bis zum letzten Mann. Die Tiguriner entkommen und ziehen plündernd nach Norden und gelangen schliesslich wieder ins Schweizerische Mittelland. Zu einem grossen Teil lassen sich die Tiguriner in der Westschweiz mit Zentrum Avenches nieder.
Kleinere Teile der Helvetier vom Stamm der Tiguriner wandern nach Süddeutschland aus. Bei Magdalensberg bei Klagenfurt in Kärnten wird eine Inschrift "ELVETI" aufgestellt. In der Nähe gibt es ein Dorf mit dem Namen Tigring welches auch auf diese Zeit zurückzuführen ist.

 
Um 100 v. Chr.

Poseidonios schreibt über die Kelten und deren religiöse Einstellung.

Bei den Helvetiern können schwergewichtig zwei Kulturgruppen durch entsprechende Fundgegenstände ausgemacht werden. Die eine Gruppe ist durch Südostfrankreich mit Siedlungsschwerpunkt um Estavayer-le-Lac, die andere von Südwestdeutschland mit Siedlungsschwerpunkt in Bern, beeinflusst.
Münzenfunde belegen die Besiedelung Avenches und den Bezug zu Südostfrankreich. (roter Faden-Röstigraben)

 
Um 65 v. Chr.

Diodor beschreibt wie die Helvetier Gold gewannen und verarbeiteten. Er schreibt auch, dass die Kelten überaus geldgierig sind. (Gute Grundlage für Bankgeschäfte?)

 
61 v. Chr.

Julius Cäsar schreibt: "Bei den Helvetiern war der bei weitem vornehmste und begütertste Mann Orgetorix".
Orgetorix versucht seine Stammesangehörigen zur Auswanderung zu bewegen.

Die Vorbereitungen für die Auswanderung aus dem Mittelland werden auch nach dem plötzlichen Tod von Orgetorix vorangetrieben.

 
60 v. Chr.

In Yverdon wird eine Göttin aus Holz bei der Hafeneinfahrt aufgestellt.

 
15 März 60 v. Chr.

Cicero schreibt an seinen Freund Aticus:"Die Helvetier stehen ohne Zweifel unter Waffen und führen Ausfälle in die Provinz."

Die Vorbereitungen für den Auszug dauern an. Es werden Esswaren angepflanzt, die am besten haltbar sind, bei den Nachbarn kauft man Ochsen als Zugtiere und Wagen ein, es werden Verhandlungen mit den Nachbarn wegen des Durchmarschs durch ihr Hoheitsgebiet geführt.
Ziel der Auswanderung ist das Gebiet der Santonen, die heutige Saintonge nördlich der Garonnemündung.

 
28. März 58 v. Chr.

Die Auswanderer besammeln sich am Ufer der Rhône bei Genf. Sie wollen am 28. März die Brücke bei Genf überschreiten und auf direktem Weg nach Saintonge ziehen.
Hinter sich hatten sie alle "Brücken" abgebrochen. Die ursprünglichen Felder, Häuser, und Befestigungen waren verbrannt worden. (Brandspuren wurden im Oppida auf dem Mont Vully nachgewiesen).

Der Auswanderungszug wird jedoch durch Julius Cäsar aufgehalten.
Um die Auswanderung zu stoppen hat Julius Cäsar die Brücke in Genf niederreissen lassen. Die Helvetier schicken ihre Edelleute Nammeius und Verucloetius als Gesandte zu Julius. Julius wird gebeten den Zug ziehen zu lassen weil sie keinen anderen Weg hätten. Sie beabsichtigen lediglich durch die Provinz durchzuziehen ohne jede Gewalttaten. Julius verlangt Bedenkzeit bis zum 13. April. Die Bedenkzeit von Julius ist jedoch eine Finte. Julius hat auf seiner Flussseite nur eine kleine Soldatentruppe und muss Zeit schinden um weitere Legionen heranzuführen. Nach der verstrichenen Frist, sprechen die Helvetier erneut bei Julius vor und erhalten den Bescheid: "Er könne nach herkömmlichem Brauch des römischen Volkes niemandem den Durchzug durch die Provinz gestatten. Sollten die Kelten es trotzdem versuchen, werde er sie durch Gewalt aufhalten.
Die Helvetier versuchen die Rhône zu überqueren, werden jedoch erfolgreich davon abgehalten.

 
Juni 58 v. Chr.

Die Helvetier haben sich auf den beschwerlichen Weg der Rhône entlang in Bewegung gesetzt. Die römische Provinz muss umgangen werden.
Im Juni gelangt der Auswanderungszug zur Saône. Der gewaltige Tross beginnt mit dem Uebersetzen.
Bereits seit 20 Tagen war der Tross beim Uebersetzen, ¾ hatte das andere Ufer bereits erreicht und befand sich nun im Gebiet der Sequanter.

 
Juli 58 v. Chr.

Julius lässt durch seine Kundschafter das Uebersetzen überwachen. Mitten in der Nacht rückt er dann mit 3 Legionen vor und überfällt den verbleibenden Viertel der ahnungslosen Helvetier im Schlaf . Die Helvetier haben mit keinem Angriff gerechnet, da sie sich ja nicht auf römischem Boden, sondern bei den befreundeten Hädauern befinden. Die Hädauer haben ihnen den Durchzug ja schon bei den Vorbereitungen erlaubt.
Julius lässt in dieser Nacht die meisten Helvetier töten, einige wenige können in die benachbarten Wälder flüchten.

Julius lässt in nur einem Tag, eine Brücke über die Saône schlagen um die restlichen Helvetier anzugreifen. Die Helvetier schicken den Gesandten Divico zu Julius. Divico hielt folgende Rede: "Wenn das römische Volk mit den Helvetiern Frieden schliesse, würden sie in die Gegend ziehen und dort bleiben, wo Cäsar sie ansiedeln und haben wolle. Wenn er jedoch auf dem Krieg gegen sie bestehe, solle er an die alte Niederlage des römischen Volkes und die alterprobte Tapferkeit der Helvetier denken. Wenn er unvermutet einen Stammesteil überfallen habe, während die, welche bereits über den Fluss gesetzt seien, ihren Landsleuten keine Hilfe bringen konnten, so solle er deswegen nicht allzu sehr auf seine Heldentat pochen, noch sie selbst unterschätzen."
Julius verlangt jedoch von den Helvetiern Reparationszahlungen und Geiseln. Darauf erwidert Divico: "Die Helvetier seien von ihren Vätern so erzogen worden, dass sie Geiseln zu empfangen, nicht zu stellen pflegten; dies könne das römische Volk bezeugen." Dies war eine Anspielung auf die Schlacht bei Agen an der Garonne im Jahre 107 v. Chr.

Die Helvetier ziehen weiter. In den nächsten Tagen kommt es zu kleineren Scharmützeln. Für die Helvetier besteht die Gefahr, dass ihnen Julius den Weg abschneidet, und so beginnen sie die Nachhut von Cäsars Truppen anzugreifen. Dieser Angriff weitet sich aus und führt schliesslich zur Entscheidungsschlacht bei Bibracte.

Aus heutiger Sicht endete die Schlacht nach einem ganzen Kampftag in einer Pattsituation. Am darauffolgenden Tag zogen die Helvetier weiter. Nach 60 km Gewaltsmarsch erreichten sie das Gebiet der Lingonen auf dem Plateau von Langres. Die Helvetier hatten sich dort Hilfe erhofft. Julius hatte jedoch den Lingonen gedroht wenn sie den Helvetiern helfen würde er sie gleichermassen niedermachen lassen. Die Lingonen verweigerten den Helvetiern die Hilfe. In Ermangelung von Nahrungsmitteln, den grössten Teil des Trosses hatten sie in der Schlacht verloren schickten sie einen Gesandten zu Cäsar mit der Kapitulation.

Die Helvetier mussten in ihr Land, das Mittelland zurückkehren.

 
52 v. Chr.

In den verflossenen 6 Jahren waren die Helvetier mit dem Wiederaufbau im Schweizer Mittelland beschäftigt. Währenddessen führte Julius erfolgreich Krieg gegen die restlichen Keltenstämme (Die Römer nannten diese Gallier). Julius gewann Schlacht um Schlacht, plünderte die reichen Tempel und brachte das Gold in seine Tasche oder nach Rom. Die Römer waren begeistert.
Die letzte Schlacht mit den Galliern wird 52 v. Chr. gegen den Gallier Vercingetorix geschlagen. Die Helvetier senden 8000, die Rauriker 2000 Mann Unterstützungstruppen, an Vercingetorix. Julius gewinnt die Schlacht bei Alesia und kehrt nach Rom zurück.

 
ab 50 v. Chr.

Zunächst führten die Helvetier ein von Römern recht unberührtes Leben. Die Oppida in Bern auf der Engehalbinsel wurde zwar kleiner als zuvor, erneut aufgebaut. Ebenso entstand eine Oppida nur wenige Kilometer vom Mont Vully, auf dem Höhenzug bei Avenches dem Bois de Châtel. Auch diejenige auf dem Jensberg bei Studen, jene bei Sermuz nahe Yverdon und eine neue auf dem Bois de Chatel bei Avenches wurde wieder in Betrieb genommen.

Die Römer hatten bis zur Regierungszeit von Augustus mit sich selbst viel zu tun (Bürgerkrieg) und kümmerten sich wenig um ihre Aussenpolitik. Die eroberten Gallierstämme so auch die Helvetier waren mehrheitlich sich selbst überlassen. Das kulturelle Leben der Helvetier inklusive weiträumiger Handelsbeziehungen bis nach Spanien hatte fortbestand. (Scherben von spanischen Weinkrügen aus der Gegend von Barcelona konnten gefunden werden).