napoleon
 



Die Mutter von Louis Napoleon III war die Stieftochter vom berühmten Napoleon I. Sie war die Tochter der Kaiserin Josephine aus ihrer ersten Ehe. Napoleon I verheiratete seine Stieftochter Eugènie Hortense mit seinem Bruder. Seinen Bruder setzte er nach der Machtübernahme 1805 auf den neu errichteten holländischen Königsthron. Eugènie Hortense war somit fürs erste Königin von Holland und somit ihre Söhne Prinzen. Am 20.4.1808 wurde Prinz Louis Napoleon III geboren.
Das Schicksal der Königin Hortense und ihrer Söhne war eng mit jenem Napoleons I verknüpft. Sie wurde unter anderem verdächtigt Napoleon I bei der Flucht von Elba geholfen zu haben und fiel damit in Ungnaden breiter Patrizierschichten. Nach der Schlacht bei Waterloo wurde auch Hortense aus Frankreich ausgewiesen. Auf Drängen Frankreichs durfte sie erst auch nicht in Deutschland Unterschlupf suchen und so reiste sie 1815 über Lausanne, Payerne, Murten, Bern, Aarau, Baden, Zürich, Winterthur, Frauenfeld, bis nach Konstanz. Der Königstitel wurde ihr abgesprochen und sie musste neu mit Herzogin von St-Leu angesprochen werden. Der Kanton Thurgau erlaubte Hortense das heruntergekommene Schlösschen Arenenberg zu kaufen. 1817 zog die Herzogin in die Nähe ihres Bruders nach Augsburg. Louis Napoleon III wurde dort im St. Anna-Gymnasium eingeschult. Die Ferienzeit verbrachte Louis Napoleon oft auf dem hergerichteten Schlösschen Arenenberg. Nach der Schule wohnten die Bonapartes wieder des öfteren in Arenenberg. Für Louis Napoleon wurden spezielle Studierzimmer in den Nachbargebäuden eingerichtet und er wurde durch Professoren aus Konstanz in Chemie, Physik, Mathematik, Kunst, Philosophie und durch einen altgedienten Artillerieoffizier aus Napoleons I Armee im Kriegswesen und der Artillerie ausgebildet. Louis Napoleon war sehr sportlich ein ausgezeichneter Reiter, Fechter und Schwimmer.
1829 stellte Louis Napoleon III ein Gesuch an die bernische Regierung um am Lager der Artillerieübungen in Thun teilzunehmen. Das Gesuch wurde bewilligt und Napoleon III konnte als Offiziersaspirant an den Übungen unter dem Schweizer Oberst Dufour teilnehmen.
Die Wintermonate verbrachten die Bonapartes meistens im wärmeren Italien. So kam es, dass sich Napoleon III im Jahre 1830 in Rom, an einer Umsturzaktion gegen den Papst beteiligte. Die Aktion misslang, Louis Napoleon III konnte als Bedienter verkleidet nach Arenenberg flüchten.
Am 14.4.1832 wird Napoleon III von der Gemeinde Salenstein für seine Verdienste um die Wohltätigkeiten, die Ehrenbürgerschaft angeboten. Napoleon nimmt freudig an und wird darauffolgend vom thurgauischen grossen Rat einmütig zum Ehrenbürger gewählt. Prinz Louis Napoleon III Bonaparte wird somit Schweizer.

1834 stellte Louis Napoleon III erneut ein Gesuch um an den Übungen in Thun als Offizier teilzunehmen. Er durfte und erhielt am 7. Juli 1834 sogar das Brevet eines schweizerischen Hauptmannes der Artillerie. Mit den Obersten der Schweizer Armee stand er in freundschaftlicher Beziehung. unter den Obersten befand sich auch der spätere Bundesrat Ochsenbein.
Im Juli 1832 starb in Wien im Schloss Schönbrunn der einzige legitime Sohn von Napoleon I, der Herzog von Reichstadt Napoleon II. Louis Napoleon III war ab diesem Zeitpunkt nächster "Thronfolger". Um Napoleon III sammelten sich im Laufe der Jahre immer mehr Bonapartisten. Erkundungen ergaben, dass in der Stadt Strassburg im Elsass die französische Garnison pro Bonaparte war. Es wurde ein Putsch geplant um den Thron Frankreichs mit Hilfe der Strassburger zurück zu erobern. 1836 trafen Napoleon III und seine Gefolgsleute in Strassburg ein und wurden durch die Besatzung mit Hochrufen begrüsst. Die Infanterie spielte jedoch nicht mit und nahm Napoleon III in Gewahrsam. Napoleon wurde als Gefangener nach Paris verbracht und wegen Putschversuch zur Verbannung nach Amerika verurteilt. Die französischen Machthaber fürchteten weitere Unruhen, aus diesem Grund wurde das sehr milde Urteil erklärt.
Königin Hortense erkrankte an Krebs. Der besorgniserregende Zustand seiner Mutter veranlasste Napoleon III die Verbannung in Amerika zu verlassen und traf am 4.8.1837 in Arenenberg ein. Am 5.Oktober starb Königin Hortense Bonaparte im Eckzimmer des Schlösschens Arenenberg.
Napoleon III verfasste mit Hilfe seines Freundes, dem Journalisten Laity eine Schrift zum geschichtlichen Ablauf des Putsches in Strassburg. In der Schrift machte man sich lustig über die Bürgerregierung in Paris und deren Unfähigkeit das Land zu regieren. Das französische Volk sollte dadurch aufgewiegelt und für einen erneuten Putschversuch Napoleons III vorbereitet werden. Am 1.8.1838 traf Graf von Montebello in Luzern beim Vorort der Eidgenossenschaft ein, platzierte einen scharfen Protest gegen die Hetzschrift und verlangte die sofortige Auslieferung Napoleons III an Frankreich. Nun hatte die Schweiz ein Problem! Napoleon war zwar Schweizerbürger, hatte jedoch nie seine französische Staatsbürgerschaft abgelegt. War er nun Schweizer oder nicht? Das Problem kam vor die Tagsatzung. Der thurgauische Abgeordnete Dr. Kern, der Waadtländer und der Genfer Abgeordnete empfahlen die Forderung entrüstet abzuweisen. Die Schweiz liefere keine Mitbürger an fremde Mächte aus und empfinde dies als unerträgliche Einmischung in schweizerisches Recht. Andere Abgeordnete waren auch gegen eine Ausweisung, jedoch für eine genaue Überwachung Napoleons um seine Aktivitäten zu überwachen. Ein dritter Teil wollte Napoleon III auffordern das Land unverzüglich zu verlassen. Das Streitgespräch wogte hin und her und wurde schliesslich vertagt. Die Gemüter erhitzten sich diesseits und jenseits der Grenze. Die französische Regierung veranlasste an der Westschweizer Grenze unter dem Oberbefehl von General Aymard den Truppenzusammenzug. Als in einem Tagesbefehl des Generals die Worte "wir wollen die ungeberdigen Nachbarn Frankreichs züchtigen" auftauchten, war dies den Genfern, Waadtländern und Bernern zuviel. Auch sie zogen an der Grenze ihre Truppen zusammen und mobilisierten sogar einen Teil der Reserven. Auf dem Siedepunkt der Spannungen trafen in Arenenberg der Bistumsverweser Heinrich von Wessenberg und noch wichtiger, der Oberst Dufour, ein. Beide legten Napoleon III nahe das Land aus eigenen Stücken zu verlassen. Der drohende Krieg könnte sich als Flächenbrand erweisen und nicht nur die Schweiz und Frankreich betreffen. Nach langem Zögern willigte Napoleon III ein und verliess am 20.9.1838 die Schweiz Richtung England. Die Truppen auf beiden Seiten wurden demobilisiert.
Die Zeit heilt alle Wunden, so heisst es. In Frankreich stieg die Napoleon I Verehrung immer mehr und gipfelte schliesslich darin, dass der Leichnam Napoleons I zum erneuten Beisetzen nach Paris geholt wurde. Der Triumphbogen wurde ebenfalls fertiggestellt.
Unterdessen benötigte Napoleon III in England für seinen aufwändigen Lebensunterhalt Bargeld. Er verkaufte das Schlösschen Arenenberg für 73'000 Reichsgulden an den Sachsen Carl Keller von Glösa. 1848 wird Napoleon III von den Franzosen zum Präsidenten der zweiten Republik gewählt. Durch einen Staatsstreich wird er am 2.12.1851 Kaiser der Franzosen. (Mit anderen Worten, wir Schweizer stellten einen französischen Kaiser ;-)
Als Kaiser heiratet er die Spanierin Eugenie von Montijo. Eugenie kauft im April 1855 das Schlösschen Arenenberg als Geburtstagsgeschenk für ihren Gatten zurück und lässt es neu herrichten. Die Reise des Kaisers Napoleon III nach Arenenberg muss wegen kriegerischer Auseinandersetzungen immer wieder hinausgeschoben werden. Aber am 18.8.1865 reist er inkognito, unter dem Titel Graf von Pierrefonds nach Konstanz. Das Geheimhalten war rasch beendigt. Die einheimische Bevölkerung umjubelte den Kaiser und die thurgauische Regierung brachte Grussbotschaften. Am 21.8.1865 verliess Napoleon III zum letzten mal Arenenberg. Seine Reise durch die Schweiz führte unter anderem nach Thun zum Artilleriewaffenplatz nach Neuenburg und schliesslich wieder nach Frankreich.
1876 fand im kaiserlichen Paris die Weltausstellung statt, wer kennt den Eifelturm nicht ;-)
Der deutsch-französische Krieg kostete Napoleon III den Thron. (Der Schweiz brachte er die Bourbaki Armee). Im März 1871 flüchtet er nach England.

Am 9.1.1873 stirbt Napoleon III an einem Blasenleiden.

Zur Zeit der Königin Hortense waren die Schlossherren von Wildegg, Sophie, eine Geschiedene von Erlach und ihr Bruder Ludwig Albrecht von Effingen, gern und oft gesehene Gäste in Arenenberg.

 
nfahrt:Zwischen Kreuzlingen und Steckborn am Bodensee - die Strasse zum Schlösschen Arenenberg ist mehr schlecht als recht markiert.
intrittspreis:Für das Museum ist ein kleiner Betrag zu entrichten.
ffnungszeiten:Die Öffnungszeiten für das Museum können bei Tourismus Steckborn oder Kreuzlingen erfragt werden.
esuchsdauer:Ca. 1 bis 1½ Stunden.
ührungen:Für Gruppen können Führungen organisiert werden.
esichtigung:Als Einzelperson möglich, nicht Rollstuhl gängig
ehenswert in der Nähe:Steckborn, Frauenfeld, Sea Life, Stein am Rhein.
emerkungen:Einige Parkplätze stehen vor der Landwirtschaftsschule zur Verfügung. Um das Schlösschen zu finden spazieren Sie neben der Landwirtschaftsschule vorbei bis zur Kreuzung, dann bei der Kreuzung rechts. Geradeaus ist das Schlösschen. Es war bei unserem Besuch nicht angeschrieben und der Weg war nicht markiert.
 
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